Freimaurer

Freimaurer kommen in Logen zusammen, um bruderschaftliche Formen zu pflegen und durch rituelle Handlungen menschliche Vervollkommnung anzustreben. Sie treten ein für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, für Brüderlichkeit und Wahrung der Menschenwürde.

Freimaurer zählen Glaubens-, Gewissens- und Denkfreiheit zu ihren höchsten Gütern. Unter Freiheit wird hier allerdings nur die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung bzw. Lebensgestaltung verstanden, die Andere in ihren Lebensentwürfen nicht behindert.

Freimaurer bemühen sich, Trennendes unter den Menschen zu überwinden. Die Befreiung aus der „Knechtschaft der Vorurteile“ gilt als eine ihrer wesentliche Anliegen. Unter dem Gebot der Toleranz und Humanität bietet hier die Loge das Erziehungsmodell zu diesen Wertevorstellungen.

Freimaurer verstehen die Loge daher auch als eine „Lebensschule“ oder als eine Stätte, in der die „Königliche Kunst“ der Selbsterziehung und Mitverantwortung für ein besseres Miteinander unter den Menschen geübt werden kann.

Freimaurer nehmen „freie Männer von gutem Ruf ohne Ansehen des religiösen Bekenntnisses, politischer Überzeugungen, sozialer Unterschiede, der Staatsangehörigkeit und der Rasse in ihre Logen auf. Dieses Zeichen des Vertrauens setzt die Bürgschaft eines Freimaurers für den interessierten Herren – des „Suchenden“ – vor dessen Aufnahme in die Loge voraus.

Freimaurer sollen in den Logen keine Polemik über Politik und Religion betreiben und nicht agitieren. Dogmatisches Gedankengut und dessen Verbreitung ist in den Logen unerwünscht.

Freimaurer streben nach einer humanitären Geisteshaltung, bilden aber keine Glaubensgemeinschaft. Sie verehren unter dem Begriff des „Großen Baumeisters aller Welten“ das Wirken der Schöpfung und sehen im Weltenbau, in allem Lebendigen und im sittlichen Bewusstsein des Menschen einen Zusammenhang.

Freimaurer beziehen sich auf das Brauchtum der mittelalterlichen Dombauhütten mit deren rituellen Überlieferungen. Sie bewahren noch heute in den Tempelarbeiten die Erinnerung an die Werkzeuge der alten Steinmetzbruderschaften und deuten sie symbolhaft für den ethischen „Tempelbau der Humanität“. Das heißt, in rituellen Handlungsabläufen wird dem Freimaurer die menschenversöhnende Idee der Brüderlichkeit unter den zeitlos gültigen Symbolen des Bauens versinnbildlicht. Dieser feierliche, kontemplative Vorgang bewirkt in dem Bruder eine innere Klärung seiner Beziehung zu sich selbst, zu seinem persönlichen Umfeld – letztlich zum Leben.

Freimaurer beschreiten ihre Erkenntnisstufen in drei Graden – Lehrling, Geselle, Meister. Der Lehrlingsgrad fördert die Selbsterkenntnis des Freimaurers: „Schau in dich!“. Der Gesellengrad verkörpert die Wanderschaft zu anderen Logen: „Schau um dich!“. Der Meistergrad umfasst den geläuterten Werdegang der Erkenntnisse: „Schau über dich!“.

Freimaurer wissen von der Unzulänglichkeit des Menschen. Sie machen sich dennoch auf den Weg zur eigenen Vollkommenheit, obwohl sie das Ziel nicht erreichen. Aber der Weg lohnt sich. Es ist der Weg einer Utopie, die mehr Licht in das menschliche Miteinander bringt.

Freimaurer arbeiten ernst an sich selbst und feiern fröhlich gemeinsam – das ist (fast) ihr einziges Geheimnis.